Antikörper sind natürliche Bestandteile des Immunsystems und werden von einer bestimmten Sorte weißer Blutzellen, den so genannten B-Plasmazellen, produziert. Die Fähigkeit der Antikörper ist einzigartig: Sie "erkennen" alles, was körperfremd und damit potenziell krankheitserregend ist. Ihr Einsatzgebiet sind das Blut, alle anderen Körperflüssigkeiten, Organe und das Knochenmark. Ein eingedrungenes Bakterium oder eine körperfremde Zelle wird deshalb sehr schnell mit Antikörpern übersät. Eine derart markierte Zelle wird von spezialisierten Fresszellen des Immunsystems erkannt und vernichtet.

Antikörper markieren ein Bakterium
als "körperfremd" für die Fresszellen.
Seit etwa 20 Jahren lassen sich Antikörper, die alle dieselbe Struktur erkennen, auch im Labor herstellen. Sie werden zum Teil schon heute als Medikamente in der Behandlung der Non-Hodgkin-Lymphome eingesetzt.
i Weitere Grundlagen-Infos zu Antikörpern
Antikörper, die mit ihren kurzen Y-Ärmchen genau eine einzige definierte Struktur "erkennen", stammen alle von identischen B-Plasmazellen oder von einem "B-Zell-Klon" ab. Sie heißen deshalb monoklonale Antikörper. Wenn eine Krebszelle über eine genau definierte Struktur an ihrer Oberfläche verfügt, dann ist es sinnvoll, gegen genau diese Struktur gerichtete Antikörper im Labor herzustellen.
Mitte 1998 wurde in Deutschland der Antikörper Rituximab erstmals zur Alleintherapie gegen chemotherapeutisch unempfindliche oder wieder nachwachsende Non-Hodgkin-Lymphome im Stadium III bis IV zugelassen. Rituximab erkennt spezifisch das Oberflächenantigen CD20, das ausschließlich auf B-Lymphozyten und Lymphomzellen vorkommt. Sobald der Antikörper an CD20 gebunden hat, kann das eigene Immunsystem gegen die so markierte Zelle aktiv werden. Zusätzlich macht Rituximab Non-Hodgkin-Lymphom-Zellen, die von B-Lymphozyten ausgehen, empfindlicher für die häufig zusätzlich gegebenen Chemotherapeutika.
Detaillierte Informationen zum Einsatz von Rituximab in der Therapie von Non-Hodgkin-Lymphomen finden Sie unter www.onkologie2013.de.
Ein weiterer Antikörper mit der Bezeichnung Alemtuzumab wurde für die Therapie von Patienten mit fortgeschrittener Chronisch-lymphatischer Leukämie (CLL) entwickelt, die nicht mehr auf die konventionelle Chemotherapie ansprechen. Alemtuzumab erkennt spezifisch das Oberflächenantigen CD52, das auf allen B- und T-Zellen und außerdem auch auf Fresszellen des Immunsystems vorkommt. Vermutlich weil CD52 auch auf so vielen gesunden Zellen vorhanden ist, zeigt es eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen auf das blutbildende System.
Weitere Informationen zu Alemtuzumab finden Sie unter www.onkologie2013.de.
Etwa zehn weitere monoklonale Antikörper werden derzeit noch klinisch erprobt. Um ihre Wirksamkeit gegen Krebszellen noch zu erhöhen, werden Antikörper auch als Transporter für Medikamente oder radioaktive Teilchen eingesetzt. Damit können sie gleich zweifach gegen bösartige Zellen wirksam werden: Sie locken Fresszellen des Immunsystems an und setzen gleichzeitig ein Medikament oder radioaktive Teilchen frei, die damit genau an dem Ort wirken, wo sie benötigt werden.
Wenn in der Therapie ein mit einem radioaktiven Teilchen verbundener Antikörper verwendet wird, sprechen Mediziner von Radioimmuntherapie. Ibritumomab ist beispielsweise ein Antikörper, der ebenfalls das Oberflächenantigen CD20 erkennt und zusätzlich an das Radioisotop Yttrium-90 gekoppelt werden kann. Diese Kopplung erfolgt über eine "chemischen Brücke", fachsprachlich Tiuxetan genannt. Ibritumomab-Tiuxetan kann theoretisch deshalb gegen alle B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome eingesetzt werden.
Zum aktuellen Stand bezüglich des Einsatzes von Ibritumomab finden Sie weitere Informationen unter www.onkologie2013.de.
Neuere Studien mit Non-Hodgkin-Lymphom-Patienten zeigen, dass die Kombination von Antikörper- und Chemotherapie gegenüber den jeweiligen Alleintherapien von Vorteil ist. Rituximab ist zurzeit der für solche Kombinationstherapien am häufigsten verwendete Antikörper.
Offensichtlich macht der Antikörper die Tumorzellen für die Chemotherapeutika empfindlicher. Darüber hinaus ist dieses Schema für viele Patienten verträglicher und in aller Regel auch für ältere Patienten geeignet.
Die kombinierte Antikörper- und Chemotherapie wird derzeit in vielen Studienprotokollen verwendet.
Weitere Informationen: www.onkologie2013.de.