NHL-info.de
Basiswissen
  Non-Hodgkin-Lymphome
     
  Detailwissen
  Follikuläres
Non-Hodgkin-Lymphom
  Multiples Myelom
  Chronisch-lymphatische
Leukämie
  Immunozytom
  Mantelzell-Lymphom
     
  Infopool
  Biologische Grundlagen
  Behandlung
  Aktiv gegen Krebs
  Einteilung der
Non-Hodgkin-Lymphome
  Medizinische Begriffe
  Studien
  Selbsthilfegruppen
  Überblick: Krebs und Sexualität
 
 
Krebs und SexualitätLeidenschaftliche Ekstase und lustvolle Hingabe können einem heutzutage schon im Buswartehäuschen begegnen - in Form von Dessous-Werbung beispielsweise. Die ganze Welt scheint mehr oder minder unablässig über sexuelle Erfüllung zu reden oder zumindest nachzudenken. Die ganze Welt? - Schwer kranke Menschen und ihre Partner doch wohl nicht, oder? Die haben schließlich andere Probleme, so die landläufige Meinung.

Das stimmt insofern, als sich viele Krebspatienten und ihre Partner in der akuten Krankheitsphase eher selten mit ihrer Sexualität beschäftigen. Aber: Bei aller Sorge um das Überleben, darum, wie viel Zukunft einem selbst noch bleibt, sind Krebspatienten wie alle anderen Menschen: Sie haben sexuelle Wünsche und Bedürfnisse.

Die meisten Patienten berichten, dass sie die körperliche Nähe eines Partners oder einer Partnerin als wohltuend und wertvoll empfinden. Berühren, Streicheln, Halten und Umarmen: all das wirkt wie Balsam für die geschundene Seele.

Ekstase und Vertrautheit

Die Frage, ob es sich bei dieser Art körperlicher Nähe schon um Sexualität handelt, kann man getrost als rein akademische und damit wenig relevante zu den Akten legen. Denn was Sexualität genau ist, hat selbst die Wissenschaft bisher nicht eindeutig definiert. Sexualität hat zwar mit Lust und Sicherregenlassen zu tun, aber eben nicht nur. Die Anziehung zwischen den Partnern - die nicht immer verschiedenen Geschlechts sein müssen - ist ebenso charakteristisch. Sexualität hat zumindest beim Menschen eine weit über die Fortpflanzung hinaus gehende Bedeutung. Und gerade deshalb kommt sie in allen möglichen Ausprägungen und Spielarten vor. Für manche Paare sind Ekstase und Leidenschaft die wichtigsten Elemente ihrer Sexualität. Andere betrachten sie als Zeichen und Ausdruck intimer Vertrautheit unter den Partnern.

Doppeltes Tabu

Welchen Stellenwert Sexualität für den Einzelnen hat, wie er oder sie Erfüllung findet - das können häufig schon Gesunde nur schwer beschreiben. Trotz des vordergründig freizügigen Umgangs mit Sexualität und Erotik findet die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Befindlichkeit eher im Verborgenen statt. Das gilt umso mehr für Krebspatienten. Sie leiden sozusagen unter einem doppelten Tabu; denn über die existenzielle Bedrohung durch die Krankheit spricht man ohnehin nur ungern, über die eigenen, sich möglicherweise verändernden sexuellen Wünsche und Bedürfnisse noch sehr viel weniger.

Auch die Sexualität von Krebspatienten ist immer etwas sehr Persönliches. Pauschale oder absolute Wahrheiten gibt es nicht. Dennoch lassen sich bestimmte Erfahrungen beschreiben, die viele Patienten teilen.

Sexuelles Verlangen oder Abstinenz

Sexuelles Verlangen oder sexuelle Gefühle können immer auftauchen - direkt nach der Diagnose, während oder nach der Behandlung - und sie müssen nicht unterdrückt werden. Sie sind nicht schädlich oder gar "unnormal". Genauso normal ist es aber auch, wenn Patienten über einen längeren Zeit überhaupt kein sexuelles Verlangen verspüren oder schlicht keinen Gedanken an Sex verschwenden.

Sexuelles Verlangen bedeutet nicht immer Sehnsucht nach Orgasmus oder geschlechtlicher Vereinigung. Viele Patienten wünschen sich, den Partner sehr nah, gleichsam als schützende Hülle zu spüren, ohne zum Höhepunkt zu kommen. Krebskranke Männer gestehen sich dieses Bedürfnis nach Nähe manchmal weniger offen ein. Als Vertreter des - vordergründig - starken Geschlechts meinen sie zuweilen, auch als Patient noch "ihren Mann stehen zu müssen". Dahinter steckt unausgesprochen auch die Angst, die Partnerin zu verlieren, weil man(n) sie sexuell angeblich nicht befriedigen kann.

Der Umgang mit dem eigenen sexuellen Verlangen ist auch für gesunde Partner von Krebspatienten nicht einfach. Echte oder scheinbare Erwartungshaltungen und Verlustängste bleiben meist unausgesprochen und machen das Zusammenleben nicht leichter.

Manchmal erhält die Krebserkrankung für Paare sozusagen die Funktion eines Vergrößerungsglases: Das Gute und das Schlechte in der Beziehung wird sehr viel deutlicher sichtbar als vor der Erkrankung. Wenn eine Beziehung schon vor Ausbruch der Krankheit nicht einfach war, ändert sich das in aller Regel auch nach der Diagnose nicht. Professionelle und einfühlende Beratung kann dann einen Weg weisen, der vielleicht für beide Partner akzeptabel ist. Auch ein - offen ausgesprochenes - zeitlich begrenztes "Stillhalteabkommen" ist in dieser Situation möglicherweise sinnvoll. Apropos Offenheit: Patienten und ihre Partner berichten immer wieder, wie befreiend sie es empfunden haben, sich Schwierigkeiten in der (sexuellen) Beziehung tatsächlich einzugestehen und darüber zu reden.

Auch in erfüllten Partnerschaften kann eine Krebserkrankung der Auslöser für eine Krise sein. Gleichwohl gehen viele dieser Paare aus der Krise gestärkt hervor. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich sowohl der Patient als auch der gesunde Partner über die eigenen Bedürfnisse klar werden und sie miteinander besprechen.

Für dieses "Besprechen" darf man durchaus professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die regional zuständigen Verbände der Deutschen Krebsgesellschaft sowie Beratungsstellen anderer Träger vermitteln dazu qualifizierte Gesprächspartner.

Krebs und SexualitätBeziehung braucht ein Fundament

Wer als Krebspatient eine neue Beziehung aufbauen will oder gerade jemanden kennen gelernt hat, steht häufig vor der Frage, ob und wie er über die Erkrankung reden soll. Grundsätzlich gilt: Eine neue Beziehung braucht ein festes Fundament, wenn sie auf Dauer angelegt sein soll. Dieses Fundament wird nicht dadurch stabiler, dass man eine schwere Krankheit verschweigt.

Entscheidend ist wohl der Zeitpunkt zu dem man die eigene Krankheit thematisiert. Das muss nicht gleich beim ersten oder zweiten Rendezvous geschehen, aber spätestens dann, wenn man selbst das Gefühl hat, durch weiteres Schweigen das Vertrauen des (potenziellen) Partners zu missbrauchen.

"Technische" Probleme .

Nicht nur Krebs, sondern jede potenziell lebensbedrohliche Erkrankung beeinflusst die Sexualität von Patienten und Partnern. Bei bestimmten Krebsarten kommen zusätzliche, im weitesten Sinne "technisch" zu nennende Probleme hinzu. Tumoren der Geschlechtsorgane beeinflussen das Sexualleben am unmittel-barsten. Auch Amputationen oder Narben können das sexuelle Selbstverständnis verändern. Frauen mit Brustkrebs haben häufig Angst vor Entstellung und Verlust der körperlichen Attraktivität.

Ganz ähnliche Gefühle hegen Krebspatienten mit einem künstlichen Darmausgang. Männer, deren Prostatakrebs hormonell oder chirurgisch behandelt wird, fürchten Probleme mit der Erektion. Bei Frauen, die sich im Beckenbereich einer Strahlentherapie unterziehen müssen, können Vernarbungen und Verengungen in der Scheide auftreten.

. sind prinzipiell lösbar

Die rein technische Dimension dieser Probleme lässt sich meist lösen. Stomaträger können kurzfristig eine Stomakappe anlegen. Erektionsprobleme können medikamentös oder auch mit technischen Hilfsmitteln behoben werden. Gegen die bestrahlungsbedingte Verengung der Scheide hilft die regelmäßige Benutzung eines Dilatators.

Die Angst vor dem ersten Mal

Das erste intime Beisammensein nach dem Ende der Behandlung macht vielen Patienten Angst. Kann ich den Sex noch genießen? Wird es mir wehtun? Wirkliche Rezepte gegen diese Angst gibt es nicht. Für Männer wie Frauen ist es manchmal hilfreich, zunächst für sich allein herauszufinden, wie es um die sexuelle Empfindungsfähigkeit steht. Mit dieser Erfahrung fällt es oft leichter, die sexuelle Begegnung so zu gestalten, wie beide Partner sie am meisten schätzen.

 

zurück
Impressum | Kontakt | Sitemap
  supported by ribosepharm
zurück
       
NHL-info.de