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  Blut: Ein ganz besonderer Saft
 
 
Blut ist dicker als Wasser: In dieser Volksweisheit steckt mehr Wahrheit als man gemeinhin annimmt. Denn in der unvorstellbar kleinen Menge von einem Millionstel Liter Blut tummeln sich mehrere Millionen Blutzellen. Die meisten haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Pro Sekunde müssen etwa zwei Millionen aussortiert und wieder ersetzt werden.

Nachschub aus dem Knochenmark
Den notwendigen Nachschub liefert das so genannte blutbildende System im Knochenmark: Jede Minute produziert es etwa 160 Millionen rote und mehr als 100 Millionen weiße Blutkörperchen.

Die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt, transportieren Sauerstoff von den Lungen zu jeder einzelnen Körperzelle, und die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) benötigen wir für unsere Immunabwehr. Auch die für die Blutstillung und -gerinnung notwendigen Blutplättchen (Thrombozyten) entstehen im Knochenmark, und zwar etwa 30 Millionen pro Minute.

Multitalente im Knochenmark
Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten haben im Knochenmark einen gemeinsamen zellulären Ursprung. Sie alle entwickeln sich aus den so genannten blutbildenden Stammzellen oder kurz Blutstammzellen. Wegen ihrer Vielseitigkeit werden Blutstammzellen auch als pluripotent - alles könnend - bezeichnet.

Stammzellen vermehren sich - wie andere Zellen auch - durch Zellteilung, aber: Die beiden entstehenden Tochterzellen entwickeln sich jeweils in eine andere Richtung. Die eine wird wieder eine pluripotente Stammzelle, die andere beginnt einen mehrere Tage dauernden Reifeprozess, den Fachleute als Differenzierung bezeichnen. Sie verlieren ihre "Alles-Könner-Eigenschaft" und entwickeln sich zu einer spezialisierten Blutzelle.

Fähren für den Sauerstoff
Die Spezialität roter Blutkörperchen sieht man dem Blut mit bloßem Auge an: die rote Farbe. Sie stammt von einem Eiweißmolekül, dem Hämoglobin, mit dem jedes rote Blutkörperchen beladen ist. Es ist in der Lage, Sauerstoff oder Kohlendioxid an sich zu binden und wieder abzugeben.
Dank dieser Eigenschaft des Hämoglobins wirkt jedes rote Blutkörperchen wie eine Fähre, die Sauerstoff von der Lunge in die Gewebe und Kohlendioxid von den Geweben in die Lunge transportiert.

Plättchen bilden Pfropfen
Die Thrombozyten reifen über das Zwischenstadium der so genannten Knochenmarksriesenzellen (Megakaryozyten). Jede dieser Riesenzellen schnürt etwa 4.000 bis 5.000 flache, kernlose Blutplättchen ab, die anschließend aus dem Knochenmark ins Blut auswandern. Diese Plättchen oder Thrombozyten prüfen ständig, ob die Wände der Blutgefäße intakt sind. Sobald eine Gefäßverletzung auftritt, sammeln sie sich am Ort der Verletzung, bilden einen Pfropf und leiten so die Blutstillung beziehungsweise Blutgerinnung ein.

Spezialisten mit Hilfspersonal
Die komplexeste Entwicklung durchlaufen die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten. Während der Differenzierung reifen zunächst zwei Zelltypen heran: die lymphatischen und die myeloischen Vorläuferzellen.

Aus lymphatischen Vorläuferzellen entwickeln sich die Spezialisten der Immunabwehr: die B- und T-Lymphozyten. Die meisten befinden sich in Lymphknoten, in den Rachenmandeln und in den Schleimhäuten des Magendarmtraktes, immer auf der Suche nach Infektionserregern. Die B-Lymphozyten reifen im Knochenmark (engl. bone marrow) heran und sind für die Produktion von Antikörpern zuständig. Die T-Lymphozyten vollziehen ihren letzten Reifungsschritt in der Thymusdrüse hinter dem Brustbein, steuern die Abwehrreaktion oder können sich auch selbst zu spezialisierten Killerzellen entwickeln.

Aus myeloischen Vorläuferzellen entwickeln sich die ausführenden Organe der Immunabwehr, beispielsweise die großen Fresszellen (Makrophagen) und die kleinen (neutrophile Granulozyten). Alles, was die Lymphozyten zur Vernichtung freigegeben haben, verleiben sie sich ein und machen es unschädlich.

 

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