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Bei der autologen Stammzelltransplantation werden die Blutstammzellen vom Patienten selbst gewonnen. Das gesamte Verfahren läuft in mehreren Phasen ab:


Der Tumor soll kleiner werden: Die Induktionsbehandlung
Am Beginn des Behandlungszyklus steht zunächst die so genannte Induktions-Chemotherapie. Mit diesem Behandlungsschritt soll der Tumor soweit wie möglich verkleinert werden. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von der Senkung der Tumorlast.

Ergänzende Behandlung: Die Konsolidierungstherapie
Falls nach der Induktionsbehandlung noch zu viel Tumorzellen vorhanden sind, kann eine weitere herkömmliche chemotherapeutische Behandlung folgen, um die Masse der Tumorzellen zu vermindern. Vom Konzept her soll der Erfolg der Induktionstherapie also gefestigt (konsolidiert) werden. Eine Konsolidierungsbehandlung muss nicht zwangsläufig stattfinden.

Die Stammzellen ins Blut ausschwemmen: Die Mobilisierung
Damit Stammzellen aus dem Blut entnommen werden können, müssen sie dort in ausreichender Zahl vorhanden sein. Genau das ist das Ziel der so genannten Mobilisierung. Die Masse der Stammzellen halten sich am Ort der Blutbildung auf, also im Knochenmark. Einige wenige Stammzellen sind aber auch im Blut zu finden. Zunächst können bestimmte Wachstumsfaktoren wie G-CSF (Granulozyten-Kolonie stimulierender Faktor) verabreicht werden, die dafür sorgen, dass sich die Menge der Stammzellen im Blut erhöht. Eine Chemotherapie stimuliert außerdem Stammzellen im Knochenmark, vermehrt ins Blut auszuschwemmen.

Die Stammzellen aus dem Blut herausfischen
Zur Entnahme der Blutstammzellen wird der Patient für etwa zwei bis vier Stunden an einen Zellseparator (auch Leukapherese-oder Stammzellapherese-Gerät genannt) angeschlossen. Dieses Gerät ist in der Lage, Blutzellen zu sortieren und voneinander zu trennen ("separieren"). In einer bis zu vier Sitzungen sammelt das Gerät die notwendige Menge an Blutstammzellen. In der gewonnenen Flüssigkeit sind trotzdem noch andere Zellen vorhanden. Gegebenenfalls wird das Zellgemisch aufgearbeitet, das heißt, von unerwünschten Beimengungen - wie Krebszellen - möglichst vollständig gereinigt und bei minus 196 Grad Celsius gelagert.

Komplette Vernichtung blutbildender Zellen: Die Konditionierung
Die sich nun anschließende Phase bereitet den Patienten auf die Übertragung gesunder Blutstammzellen vor. Der Patient wird für die Übertragung sozusagen konditioniert. Dazu sollen möglichst alle vom Krebs befallenen blutbildenden Zellen (das so genannte blutbildende System) abgetötet werden. Das geschieht mit einer Hochdosis-Chemotherapie, gegebenenfalls auch durch eine zusätzliche Bestrahlung.

Für die Konditionierung muss der Patient stationär in einem Transplantationszentrum aufgenommen werden; denn die komplette Vernichtung des blutbildenden Systems hat unter anderem zur Folge, dass jede banale Infektion lebensbedrohlich ist, solange sich das neue blutbildende System noch nicht entwickelt hat. Für die Hochdosis-Chemotherapie wird häufig eine sehr hohe Dosis Cyclophosphamid verabreicht. Als Abschluss der Konditionierung kann noch eine Ganzkörper-Bestrahlung durchgeführt werden, die sicherstellen soll, dass möglichst alle und damit auch alle geschädigten Zellen des blutbildenden Systems zerstört werden.

Die Konditionierung zerstört auch die Fortpflanzungszellen von Mann und Frau, das heißt, es kommt zu einer bleibenden Unfruchtbarkeit. Männer büßen lediglich ihre Zeugungsfähigkeit ein, Geschlechtstrieb und Erektionsfähigkeit bleiben erhalten. Frauen leiden unter typischen Wechseljahresbeschwerden. Sie haben ein besonders hohes Osteoporose-Risiko, das ärztlich behandelt werden muss.

Übertragung der Stammzellen: Die Transplantation
Im Anschluss an die Konditionierung erfolgt die eigentliche Stammzellübertragung. Der Patient bekommt eine einfache Bluttransfusion. Die darin enthaltenen Blutstammzellen finden ihren Weg ins Knochenmark, siedeln sich dort an und legen so den "Grundstein" für den Aufbau eines neuen blutbildenden Systems.

Stammzellübertragung in Etappen
Bei manchen Therapieprotokollen werden nicht alle Stammzellen auf einmal auf den Patienten übertragen. Statt dessen wird eine vergleichsweise große Stammzellmenge gewonnen, eingefroren und in einzelnen Portionen an den Patienten zurückgegeben. Das geschieht beispielsweise bei der Behandlung des Multiplen Myeloms. Die Patienten erhalten nach der ersten Hochdosistherapie einen Teil der Stammzellen, unterziehen sich etwa drei Wochen später wieder einer Hochdosis-Chemotherapie, erhalten wieder Stammzellen, unterziehen sich ein drittes Mal einer Hochdosis-Chemotherapie und erhalten am Ende schließlich die letzte Stammzell-Fraktion. Auf diese Weise soll die Rückfall-Gefahr verringert werden; denn nach dreimaliger Hochdosis-Chemotherapie sollten so gut wie alle Krebszell-Reste vernichtet sein.

Die Phase des Blutzellmangels (Aplasie): Infektionsgefahr!
Während der Konditionierungsphase wird das Knochenmark geschädigt. Nach der Übertragung folgt eine längere Phase, in der die alten Stammzellen nicht mehr und die neu übertragenen noch nicht in der Lage sind, Blutzellen zu bilden. Diese Phase der fehlenden Zell-Bildung (Aplasie) hat eine Reihe von Konsequenzen. Die fehlenden roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) können in der Regel problemlos in Form von Infusionen ersetzt werden. Damit ist die Versorgung des Organismus mit Sauerstoff gewährleistet, und die Gefahr von nicht stillbaren Blutungen ist weitgehend gebannt. Die für die Beseitigung von Infektionserregern wichtigen weißen Blutkörperchen - speziell die neutrophilen Granulozyten - lassen sich nicht einfach per Infusion verabreichen. Sie müssen sich im blutbildenden System des einzelnen Patienten selbst entwickeln. Dieser Vorgang lässt sich durch Wachstumsfaktoren wie den G-CSF (Granulozyten-Kolonie stimulierender Faktor) unterstützen; trotzdem bleiben die Patienten in der Aplasiephase sehr anfällig für Infektionen, die lebensbedrohlich verlaufen können.

Trotz der vorbeugenden Behandlung mit sehr wirksamen Antibiotika und anderen Vorsichtsmaßnahmen tritt bei der Mehrzahl der Patienten in dieser Phase irgendwann Fieber als Zeichen für eine Infektion auf. Dank moderner Antibiotika lassen sich diese Infektionen aber fast immer beherrschen. Eine besonders unangenehme, aber vorübergehende Nebenwirkung der fehlenden Abwehrzellen sind Schäden in der Mundschleimhaut, die in der Regel nach acht bis 14 Tagen abheilen.

 

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